dann haut doch einfach ab

Ich habe gestern mit einiger Verwunderung die Berichte über die Verurteilung im sogenannten “Ehrenmord Prozess” verfolgt.

Mich persönlich freut es doch sehr dass hier schnell und hart geurteilt wurde. Gewalt gegen Frauen geht ja schon mal gar nicht und Mord ist Mord. Wer in Deutschland lebt hat sich auch an seine elementaren Gesetze zu halten. Das gilt auch als Gast.

Ich bin wahrlich kein Rechter, aber jemanden umzubringen weil es die Ehre verletzt wenn er oder sie sich dem Lebensstil des Landes anpasst in dem man lebt bzw. leben darf? Integration und Akzeptanz sieht jedenfalls anders aus.

Leider kann man den Rest der Sippe nicht direkt mit einsperren, die Scenen nach der Urteilsverkündung geben jedenfalls recht deutlich wieder dass bei den anderen Familienmitgliedern irgendwie eine ziemlich andere Auffassung zu unseren Grundrechten  herrscht und die Tat zumindest gutgeheißen wurde.

Nach Aussagen wie “Scheiß Deutschland”, “scheiß Westen”, “alles Nazis”, “Kinderficker” und der Feststellung dass der Angeklagte “in Kabul schon lange wieder draußen wäre” schlage ich vor: Haut doch einfach ab wenn es Euch hier nicht passt. Wenn Kabul besser ist, geht dahin.

Es ist unser Land, unsere Gesetze, unsere Auffassung von Freiheit und Leben. Niemand wird gezwungen hier zu bleiben wenn man eine andere Auffassung dazu hat.

Akzeptanz und Gastfreundschaft sind schließlich Dinge, die in einer Gesellschaft nicht als Einbahnstraße funktionieren.

4 Gedanken zu „dann haut doch einfach ab“

  1. Komplizierte Nummer. Ich komme aus Hamburg und wohne in der Sternschanze, einem sehr multikulturellem Viertel. Wenn ich einen Blick auf die Türken hier im Viertel werfe, dann gibt es mehrere Varianten.

    Die eine sind die ziemlich unnahbaren ( in der Regel älteren ) Türken. Hier habe ich immer das Gefühl, als ob diese noch in ihrem alten Kulturkreis inmitten der westlichen Kultur leben. Damit möchte ich keinesfalls sagen, dass es sich hierbei um schlechte Menschen handelt – nur integriert sind sie eben nicht. Viele sind vermutlich zu Zeiten des deutschen Wiederaufbaus nach Deutschland gekommen als Gastarbeiter und möchten jetzt, verständlicherweise, nicht mehr in ihre Heimat zurück. Sie möchten nur eben auch nicht ihren Lebensstil aufgeben ( denn sie sind ja als Gäste nach Deutschland gekommen die händeringend gebraucht wurden ).

    Dann gibt es die halbintegrierten Türken – in der Regel versuchen sie das beste (aus ihrer Sicht) aus beiden Welten zu vereinen. Angeblich fromme Muslime die aber dennoch Alkohol trinken und genauso rumhuren wie der durchschnittliche Deutsche. Gerade hier wird dann häufig eine sehr intolerante Einstellung zur Rolle der Frau eingenommen. Ich würde vermuten, dass es sich um diesen Typus im Falle des Veruteilten handelt. Selbst schon sehr westlich geprägt, aber immer noch mit Eltern aus der ersten Gruppe gesegnet.
    Diese Menschen haben meist ein extrem instabiles Wertesystem und damit erklären sich auch die Irrwege die sie begehen. Die einerseits extremen Wertevorstellungen passen einfach nicht zu den andererseits losen Wertevorstellungen denen sie im Alltag ausgesetzt sind.
    In meinen Augen sind es die Eltern, und damit hauptsächlich der Vater, die für Morsals Tod verantwortlich sind.
    Die Kids sind einfach nur verwirrt. Gehen auf eine deutsche Schule und bekommen eine Lehrerin vorgesetzt. Zuhause wird ihnen dann erzählt, dass eine Frau ihnen nix zu sagen hat. Ein ganz großes Problem gerade in den sozial schwächeren Stadtteilen. Insbesondere wenn es einen hohen Grad an Perspektivenlosigkeit gibt, wendet man sich Alternativen zu um das eigene Wertgefühl aufrecht zu erhalten. In diesem Fall ist es dann halt die „Familienehre“.

    Die letzte Gruppe sind die integrierten Türken – eigentlich unterscheiden die sich in keinster Weise vom durchschnittlichen Deutschen. Sie leben ihre Religion in unterschiedlichen Ausprägungen aus, aber haben den Glauben an eine Unfehlbarkeit von Religion verloren. Welcher Katholik glaubt heute schon noch an eine Unfehlbarkeit des Papstes als Sprachrohr Gottes. Diese Türken sind mir am sympathischten, da hier ein Kulturaustausch stattfindet der wirklich bereichernd ist (und nicht beim Döner endet).

    Vor kurzem habe ich in einem Nachrichtenbericht aus Berlin über die dort stattfindende Einbürgerung eine interessante Meinung zur Einbürgerung gehört:
    „Die Einbürgerung sollte kein Mittel zur Integration darstellen, sondern deren krönenden Abschluss“ (frei zitiert)

    Ich denke genau da muss man ansetzen. Wer auf lange Sicht in Deutschland leben möchte, der muss auch offensichtlich das Wertesystem eines freien, demokratischen Landes für sich selbst verinnerlichen. Und das beinhaltet auch die Wahl des eigenen Lebensstils. Wenn Eltern ihre Kinder nicht akzeptieren, weil sie den Lebensstil ihres Heimatlandes annehmen, dann ist es an den Eltern dieses Land zu verlassen oder sich selbst anzupassen. Nur so kann man solche Tragödien vermeiden.

    Und ich glaube fest daran, dass eine Ehe/Familie trotz patriarchischem System sehr gut und glücklich sein kann. Allerdings kaum wenn der Mann auf der einen Seite das „ehrenvolle“ Oberhaupt ist und auf der anderen Seite fremd geht, säuft wie ein Bauarbeiter und keine wirkliche Vorbildfunktion einnimmt. Wenn westlich, dann bitte aber ganz. So dass man(n) sich auch Gedanken machen muss ob die Frau sich vielleicht trennt, wenn er über die Stränge schlägt. Ich habe einige türkische Freunde und Bekannte, leider reicht bei einigen die westliche Einstellung auch nicht bis ins Eheleben … bis sie dann eines Tages vielleicht doch in einer leeren Wohnung stehen. Dennoch handelt es sich nicht um schlechte Menschen – nur um kulturell verwirrte !

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